Alois Schöpf hat viele Freunde und
zahlreiche Feinde.
Seine Texte sind kaum jemanden gleichgültig.
Das ist die größte Stärke des streitbaren Schriftstellers. |
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So umstritten seine wöchentlich 2000 Buchstaben
auch sind, so unbestritten ist die Breitenwirkung des Apropos in
der Tiroler Tageszeitung. Er eckt an, provoziert, fordert
Widerspruch heraus. Es gefällt, bestätigt, erntet begeisterte
Zustimmung.
Alois Schöpf setzt sich aus. Er schreibt mit Lust gegen den
Meinungsmahlstrom. Der mainstream der opinion
leader ist ihm geradezu verhasst.
Der Lois aus Lans pflegt die kategorische Antithese zum
medial vermittelten common sense. Wortmächtig grätscht er
in die Kluft zwischen Intellektuellen und Stammtisch. Eine
unbequeme Position - für andere. Der 51 -Jährige fühlt sich erst
zwischen allen Stühlen richtig wohl. Diese Geistesgymnastik
auszuhalten, ist sein Erfolgsgeheimnis.
Der Schöpf muss Einzel muss Einzelgänger sein. Eine Clique
wäre , ihm wie Verrat an seiner Individualität. Dennoch schart er
Menschen um sich und suhlt sich im Massenkontakt. Die
überschaubare Saggener Kapelle und die 345.000
Wochenendleser der TT - der staatlich geprüfte Blasorchesterleiter
und autodidaktisch gereifte Autor sucht und findet in ihnen seine
Anerkennung.
Prinzip Widerspruch
Widerspruch ist nicht nur der bewährte Reflex des begeisterten
Diskutanten, sondern beschreibt auch seine Person. Das Dorfleben
hat ihn geformt, doch er leitet eine Stadtmusik. Starke Frauen
haben ihn geprägt, aber er ging in eine Männerschule.
Der Vater starb 1952. Mutter, Tante und die Lehrer der Stella
Matutina in Feldkirch wurden bestimmend für den Wirtssohn vom
Wilden Mann. Er bekennt eine "große emotionale Sehnsucht nach
der heilen Welt" und ist überzeugt: "Es kann sie geben. Auch ohne
Lüge." In der Erinnerung entspricht diesem Ideal seine Kindheit
und Jugend zwischen Blasmusik und Glenn Miller.
Begleitet von unendlichen Erörterungen mit den jesuitischen
Pädagogen im Ländle.
Alois Schöpf gilt manchem als Großmaul, mag aber selbst die
Kleinheit. Sieben Jahre hat er in Wien gelebt. "Dort gibt es für
mich keine Lebensqualität." Er liebt das Dorf, "jene soziologische
Menge, wo jeder noch jeden kennen kann."
Und dass ganz Tirol ein Dorf sein könnte, bestreitet er nicht.
"Österreich ist, wenn eine Blasmusik die deutsche Messe von
Schubert spielt." Fürs Heimatland fehlt ihm noch die ähnlich
griffige Definition.
Grundsatz Normalität
Drei Jahrzehnte schon bringt er sein Hadern mit dem
Hoamatl zu Papier. In Schemata lässt sich sein verschrobener
Hang zur Scholle kaum pressen. Abscheu und Hingezogenheit zu den
Mitbewohnern dieses Landstrichs halten sich bei ihm die Waage.
"Der Tiroler ist ja ein Verfechter der Gegenaufklärung", wirft
ihnen der überzeugte Anhänger der Naturwissenschaften vor.
"Thesen, die objektiv nicht zu halten sind", stören den Schöpf.
Und dementsprechend hält er`s mit der Religion.
Dennoch residiert der leidenschaftliche Querkopf ausgerechnet im
Innsbrucker Canisianum als Privatgelehrter. Er arbeitet als
selbsternannter Vorstand eines Instituts für experimentelle
Metaphysik und Blasmusikforschung. So wird Ich denke, also bin
ich zur alltäglichen Nutzanwendung.
Der Gebrauchsphilosoph ist begreifbar und darum angreifbar.
Das Apropos mit dem unbarmherzigen Wochenzähler gilt als
kleinster Nenner Schöpfscher Intellektualität - dem unentwegten
Grübeln über Normalität. Diese bodenständige Grundhaltung wird
auch durch Romane und Sachbücher, Theaterstücke und TV-Reportagen
dokumentiert. Einige Preise gab es dafür. Doch wenn nun der
Kolumnist das Büro verlässt, erinnert ihn der Blick auf den ORF an
eine Zäsur. Mit 38 verlor er dort seine Wochenglosse. Da hatte er
es satt, das allzu freie Denkertum: "Aus. Ich will ein
bürgerliches Leben."
Einst als Linker verkannt, genießt er heute Standardattribute
konservativer Lebensart. Er hat sogar ein Haus gebaut - für sich,
seine Frau Inge, mit der er schon ein Vierteljahrhundert zusammen
lebt, und Sohn Georg (20). Das bietet etwas Sicherheit für einen,
der glaubt: "Wenn man älter wird, kommt man mit sich nicht besser
zurande. Ich kann immer weniger sagen, wer ich bin."
Sehnsucht Politik
Solch Einschätzungen überlässt er seinen Lesern, für die er soeben
die 185 besten Kolumnen in Buchform gesammelt hat (Apropos,
Edition Tirol, 424 S., öS 222/ € 16,13).
"Ein guter Text kann ohne Autor bestehen", glaubt Alois Schöpf. Ob
er das auch will, bleibt offen. Doch "in die Politik zu gehen, das
würde mich reizen", bekennt er "ein wahrlich unkeusches Begehren".
Er ist lieber tüchtig als züchtig.